Pressestimmen und Rückblicke

Einblick in die deutsche Berufswelt

Im Rahmen einer Kooperation der Deutschen Angestellten-Akademie und den Itzehoer Versicherungen wird zwei weiblichen Flüchtlingen ein Praktikum ermöglicht.

Norddeutsche Rundschau vom 24.4.2017

Was sind die Besonderheiten des deutschen Berufsalltags? Welche Chancen und Perspektiven gibt es? Welche Voraussetzungen sind dafür entscheidend? Wie sieht eine perfekte Bewerbung aus? Eine Woche lange haben sich Yasmin Istanboli (23) und Fatima Al-Rubaye (21) mit diesen und weiteren Fragen auseinandergesetzt. Sie absolvieren ein Praktikum bei den Itzehoer Versicherungen, um das deutsche Berufsleben näher kennen zu lernen. Yasmin Istanboli stammt aus Aleppo. Sie ist vor eineinhalb Jahren mit ihrer Familie aus Aleppo geflüchtet und lebt heute in Itzehoe. Vor der Flucht hatte sie ein Jahr lang französische Literatur studiert. Nun will sie ein deutsches Abitur nachholen – noch sucht sie allerdings einen Kindergartenplatz für ihren fast dreijährigen Sohn.

Fatima Al-Rubaye, vor eineinhalb Jahren mit ihren beiden Brüdern geflüchtet, lebt heute in Kellinghusen. In ihrer Heimat hatte sie drei Semester lang Bauingenieurswesen studiert. Sie hofft, bald ein Studienkolleg besuchen zu können, um anschließend ein Wirtschaftsstudium aufzunehmen. Zu ihren in Bagdad gebliebenen Eltern und ihrer großen Schwester hält sie via Skype Kontakt.

Derzeit nehmen die beiden Frauen an der Maßnahme „Perspektiven für weibliche Flüchtlinge“ der Deutschen Angestellten-Akademie DAA teil, in Itzehoe geleitet von der Pädagogin Natalie Campion. Ziel ist die Integration in die deutsche Berufswelt. „Für den praktischen Teil dieser Maßnahmen sind Unternehmenspraktika vorgesehen“, sagt Natalie Campion. „Die Kooperation mit der Itzehoer ist ideal. Sie gehört zu den wenigen Firmen, die bisher hierzu bereit sind.“ Für die Itzehoer leitet Patricia Freytag (Personalentwicklung) das Praktikum.

Mit dem Integrationskurs im Landtag

Geflüchteten Menschen konnten die demokratischen Prozesse aus erster Hand erfahren.

Am 24. Februar 2017 wurde unseren Integrationskursteilnehmer/-innen die Gelegenheit zuteil, einmal den schleswig-holsteinischen Landtag von innen zu sehen. Zusammen mit Frau Beekmann, unserer Lehrerin für „Deutsch als Fremdsprache“, durften sie einen Blick in die Räumlichkeiten des Landeshauses werfen, eine Landtagsdebatte aus erster Hand erfahren – und Zeugen werden, dass eine Landtagsdebatte auch mal mit einer angeordneten Pause beginnen kann. Der Besuch bildete den Übergang vom allgemeinen Sprachkurs zum Orientierungskurs, in dem geflüchtete Menschen über die politischen, sozialen und geschichtlichen Verhältnisse Deutschlands unterrichtet werden.

Wir bedanken uns herzlich für die Offenheit und die Gastfreundschaft, die uns im Landeshaus entgegengebracht wurde.

Im Foto von links nach rechts: Sharmin Shafei Sonj, Gabriele Beekmann, Karar Mohammed Abdallah, Muhammed Ali Sido Resho, Stefan Studt, Daban Yassin Mohammed, Robert Habeck, Maryam Pardisi, Zahide Badii

Wie gelingt Integration?

Eine Geschichte zum Mutmachen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber – und arbeitsuchende Geflüchtete.

Kieler Express vom 15. Februar 2017

Dass das Jobcenter ein vielfältiges Angebot für geflüchtete Menschen und deren Integration in den Arbeitsmarkt bereithält, ist bereits bekannt. Doch wie geht man am Besten vor, wenn man einen Menschen mit Fluchthintergrund einstellen will? Hier eine Geschichte aus der Praxis, die zeigt, wie Integration gelingen kann, wenn alle Hand in Hand zusammenarbeiten.

Samer Alnajem kam 2014 aus Syrien nach Deutschland. In seinem Herkunftsland hat er Bauingenieurwesen studiert und möchte in Deutschland in diesem Beruf arbeiten, „doch mein erstes Ziel war es, Deutsch zu lernen“ erzählt der 30jährige. Im Kurs des Jobcenters kann er seine Deutschkenntnisse vertiefen und gleichzeitig Arbeitserfahrung sammeln. Denn ein Ziel des Kurses bei der DAA ist es, ein Praktikum zu absolvieren. „Unser Ansatz ist es, gut qualifizierte Flüchtlinge schnell auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren“ sagt Steffen Pauels, der im Jobcenter im Team Vertrieb arbeitet. „Wenn möglich, versorgen wir diese Menschen sofort mit einem Arbeitsplatzangebot oder einer Praktikumsstelle.“ Dieser „Work first“- Ansatz hat sich bereits in vielen Fällen bewährt. „Vor allem die guten Deutschkenntnisse von Herrn Alnajem haben mir imponiert“ sagt Bianca Aktas von der DAA.

Zur selben Zeit sucht Ulrich Hauck, der ein Büro für Bauplanung und -beratung im Kieler Nordwesten betreibt, einen neuen Mitarbeiter. Der Chef des mittleren Unternehmens mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchte geflüchteten Menschen gern eine Chance geben. Als sich beide kennenlernen erinnert sich Ulrich Hauck: „Die Sprachkenntnisse waren für mich der Türöffner. Alles Fachliche kann man ‚on-the-job‘ lernen – aber die Verständigung muss klappen“.

Nun werden gemeinsam mit dem Jobcenter die nächsten Schritte geplant. Das Jobcenter bietet dem Arbeitgeber eine betriebliche Erprobung an, ein besonderes Förderinstrument des Jobcenters Kiel. „Ich wollte Samer und seine Arbeitsweise zunächst gern kennenlernen“ sagt Ulrich Hauck. „Deswegen habe ich mich für eine betriebliche Erprobung von drei Monaten entschieden“. Das Besondere dabei: die Erprobung ist für den Arbeitgeber kostenneutral.

Nach kurzer Zeit steht fest, dass Samer Alnajem fest in den Betrieb aufgenommen werden soll. Bis Ende 2017 ist Samer Alnajem nun beim Ingenieurbüro Hauck angestellt. Dann läuft seine Aufenthaltsgenehmigung aus. Der Kontakt zur Ausländerbehörde wurde vorsorglich schon jetzt  hergestellt. Auch hierbei unterstützen das Jobcenter, die Agentur für Arbeit und – in diesem besonderen Fall – Bianca Aktas von der DAA. Das gut funktionierende Netzwerk des Jobcenters Kiel hat sich hier erneut bewährt. Auch Ulrich Hauck ist mit der unkomplizierten und verlässlichen Zusammenarbeit zufrieden.

Das Team Vertrieb steht Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern unter der Mailadresse Kiel.Vertrieb-Kiel-Ploen@arbeitsagentur.de oder unter der Hotline des ArbeitgeberService 0800 4 5555 20 zur Verfügung.